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Wasser im Ohr? Was dann hilft

Sammelt sich Wasser im Ohr, ist das nicht nur lästig, es kann auch gefährlich werden. Was Sie dagegen unternehmen können, erklärt unsere Expertin im Interview
von Dr. Roland Mühlbauer, aktualisiert am 02.06.2017

Gerät beim Duschen zu viel Wasser ins Ohr, kann es unangenehm werden

Fotolia/Wavebreakmedia

Beim Duschen, im Meer, im Schwimmbad: Gelangt zu viel Wasser in den Gehörgang, nimmt man auf derjenigen Seite Laute nur noch wie durch einen Wattebausch hindurch wahr. Normalerweise geht das Ohr nach kurzer Zeit von selbst wieder auf. Seltener kann das Gefühl Stunden oder Tage anhalten. Professorin Kerstin Lamm ist Fachärztin für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde und lehrt an der Technischen Universität München. Sie erklärt, was Sie beachten sollten:

Frau Lamm, weshalb klingen die Geräusche dumpf, wenn Wasser im Ohr ist?

Das Wasser befindet sich dann im Gehörgang, vor dem Trommelfell. Es kann sich durch das Wasser nicht richtig bewegen. Deshalb hört man alle Geräusche auf der betroffenen Seite nur gedämpft.

Wie entfernt man das Wasser am besten?


Professorin Kerstin Lamm, Fachärztin für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde

W&B/Privat

Normalerweise geht das ganz einfach, indem der Betroffene springt, sich dreht und den Kopf schüttelt. Wer einen Föhn zur Hand hat, kann den Gehörgang auch trocken föhnen. Aber nicht zu nahe kommen mit dem Föhn: Besser dreißig Zentimeter Abstand halten, um keine Verbrennungen zu erleiden! Oder man versucht vorsichtig, mit der Spitze eines Papiertaschentuchs das Wasser aus dem Gehörgang aufzusaugen.

Niemals sollte ein Laie allerdings ein Wattestäbchen oder gar eine Kugelschreibermine oder umgebogene Büroklammer in den Gehörgang einführen! Ich sehe fast jede Woche einen Patienten, der sich dadurch den Gehörgang oder das Trommelfell verletzt hat und aus dem Ohr blutet.

Manchmal hält das dumpfe Gefühl dennoch tagelang an, wie kommt das?

Dann befindet sich Ohrenschmalz im Gehörgang, das durch den Wassereintritt aufgequollen ist. Wenn das Ohrenschmalz dann auf dem Trommelfell liegt, sorgt es für ein anhaltendes Völlegefühl im Ohr.

Was hilft gegen das aufgequollene Ohrenschmalz?

Das kann der Betroffene nicht selbst entfernen! Er sollte stattdessen zum HNO-Arzt gehen. Dieser wird zunächst mit dem Mikroskop kontrollieren, ob das Trommelfell intakt ist und kein Loch hat. Als nächstes spült er unter mikroskopischer Kontrolle das Ohr mit körperwarmem Wasser und weicht das Ohrenschmalz auf, um es anschließend abzusaugen.

Was kann bei einem Loch im Trommelfell passieren?

Wer ein Loch im Trommelfell hat, spürt einen starken Schwindelanfall, wenn kaltes Wasser eintritt. Außerdem kann eine Mittelohrentzündung entstehen.

Angenommen, es gelangen Keime mit dem Wasser in den Gehörgang: Können diese dort eine Entzündung auslösen?

Ja, das kommt vor. Aber vor allem können bei Badeurlauben die wechselnden Wasserqualitäten dem Ohr zu schaffen machen: Meerwasser, Swimming-Pool-Wasser und Süßwasserdusche bringen das Milieu des Gehörgangs durcheinander. Dem kann man vorbeugen mit Ohrentropfen, die Glycerin und Alkohol enthalten. Das schützt den pH-Wert der Haut im Gehörgang. Vor allem Wassersportler, Surfer, Taucher und Segler nutzen das oft vorbeugend. Allerdings können auch diese Tropfen das Ohrenschmalz aufquellen lassen, falls es im Übermaß vorhanden ist.


Sind Wasserschutz-Ohrstöpsel eine Alternative?

Ja, die können alle verwenden, die im Urlaub Probleme mit dem Wassereintritt in den Gehörgang haben. Ich empfehle sie auch passionierten Schwimmern, bei denen sich durch wiederholten Kontakt mit kaltem Wasser Knochenvorwölbungen im Gehörgang gebildet haben, sogenannte Exostosen. Die Ohrstöpsel sehen aus wie kleine Tannenbäumchen. Es gibt sie im Sportgeschäft.

Wie macht sich eine Gehörgangsentzündung bemerkbar?

Sie kann sehr schmerzhaft sein, vor allem, wenn man am Ohr zieht oder auf den Ohrknorpel vor dem Eingang des Gehörgangs drückt. Ohne Behandlung durch den HNO-Arzt kann die Entzündung chronisch werden, also sehr lange andauern, oder sich sogar der Knochen mit entzünden.

Wie behandelt der HNO-Arzt die Gehörgangsentzündung?

Zunächst, indem er den Gehörgang gründlich säubert. Denn die besten Mittel wirken nicht, wenn die Haut belegt ist mit Eiter und Ohrschmalzresten. Dann verordnet er Ohrentropfen, die abschwellend, antientzündlich und antibiotisch wirken. Wenn der Gehörgang schon fast zugeschwollen ist, kann auch eine Tamponade mit getränkten Mullstreifen nötig sein. Antibiotika zum Einnehmen sind nicht nötig, es sei denn, der Knochen ist ebenfalls entzündet. Falls die Ohrentropfen nicht wirken, muss der Arzt eventuell erst die Keime durch einen Abstrich identifizieren, um ein geeignetes Präparat zu verschreiben.




Bildnachweis: Fotolia/Wavebreakmedia, W&B/Privat

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